Erektile Dysfunktion

Bei der erektilen Dysfunktion handelt es sich um einen medizinischen Oberbegriff für Männer, die langfristig und häufig Probleme haben beim Geschlechtsverkehr eine ausreichend starke Erektion aufzubauen oder aufrechtzuerhalten. Es handelt sich also auf Deutsch um eine Erektionsstörung. Dieses Thema bzw. Problem ist für die betroffenen Männer psychisch sehr belastend und findet in der Gesellschaft leider nur sehr geringe öffentliche Anerkennung. Das liegt vor allem daran, dass sich die betroffenen Männer dafür schämen und ihnen deshalb der Schritt zum Arzt häufig schwerfällt.

Wichtig ist es zu wissen, dass man mit diesem Problem nicht alleine ist, auch wenn kaum einer darüber spricht. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit an einer erektilen Dysfunktion zu leiden mit dem Alter deutlich an – aber auch zahlreiche junge Männer haben mit diesem Problem zu kämpfen. Sie sind also nicht alleine.

Definition der erektilen Dysfunktion

Eine erektile Dysfunktion liegt per medizinischer Definition erst dann vor, wenn die Erektionsstörung langfristig und überwiegend auftritt. Das heißt, dass kurzfristige oder vorübergehende Erektionsstörungen noch nicht als erektile Dysfunktion gelten. Allerdings wird eingeräumt, dass es sich um eine erektile Dysfunktion handelt, wenn die Erektionsstörung in einer bestimmten Situation oder mit einem bestimmten Partner in den meisten Fällen auftritt. Viele Männer leider beispielsweise unter einer erektilen Dysfunktion, wenn sie im Urlaub sind – wohingegen sie Zuhause keinerlei Probleme haben. Wenn sich das Problem in jedem Urlaub wiederholt und währenddessen überwiegend auftritt, handelt es sich dennoch um eine erektile Dysfunktion, auch wenn Zuhause der Sex gut funktioniert.

Diagnose der erektilen Dysfunktion

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Ausmaß einer erektilen Dysfunktion zu diagnostizieren. Am zuverlässigsten kann Ihnen Ihr Urologe darüber Auskunft erteilen. Das hat den Vorteil, dass dieser vor Ort auch direkt nach organischen Ursachen suchen kann. Da sich aber auch Mediziner bei der Diagnose grundsätzlich an einen Fragebogen halten, um das Ausmaß der erektilen Dysfunktion abschätzen zu können, können Sie diesen Fragebogen natürlich auch selbst für sich beantworten. Der meistverwendete Fragebogen wurde 2005 von den Medizinern J. C. Cappelleri und R. C. Rosen entwickelt. Der Fragebogen entstand aus einer von den zwei Medizinern durchgeführten Studie und ist durch diese Studie statistisch abgesichert.

Wir stellen Ihnen den Fragebogen hier zur freien Verfügung. Er beinhaltet fünf Fragen, bei der Sie jeweils zwischen fünf oder sechs Antwortmöglichkeiten wählen können. Die entsprechenden Antworten sind einem bestimmten Wert zugeordnet. Nachdem Sie alle Fragen beantwortet haben, müssen Sie lediglich die Zahlen aufsummieren. Ihre Gesamtpunktzahl können Sie dann mit der zweiten kleinen Tabelle abgleichen, um den Grad Ihrer erektilen Dysfunktion zu bestimmen. Grundsätzlich gilt, dass die Ausprägung Ihrer Krankheit stärker ist, je niedriger Ihre Gesamtpunktzahl ist.

Wie zuversichtlich sind Sie, eine Erektion zu bekommen und aufrechterhalten zu können? sehr niedrig niedrig mittelmäßig hoch sehr hoch
1 2 3 4 5
Wenn Sie bei sexueller Stimulation Erektionen hatten, wie oft waren Ihre Erektionen hart genug um in Ihre Partnerin einzudringen? Kein Sex nie oder fast nie selten (viel weniger als die Hälfte der Zeit) manchmal (etwa die Hälfte der Zeit) meistens (viel mehr als die Hälfte der Zeit) fast immer oder immer
0 1 2 3 4 5
Wie oft waren Sie beim GV in der Lage, die Erektion nach dem Eindringen in Ihre Partnerin aufrechtzuerhalten? Ich habe keinen GV versucht nie oder fast nie Selten (viel weniger als die Hälfte der Zeit) Manchmal (etwa die Hälfte der Zeit) Meistens (viel mehr als die Hälfte der Zeit) Fast immer oder immer
0 1 2 3 4 5
Wie schwierig war es beim GV die Erektion bis zum Ende des GV aufrechtzuerhalten? Ich habe keinen GV versucht Äußerst schwierig sehr schwierig schwierig etwas schwierig nicht schwierig
0 1 2 3 4 5
Wenn Sie GV versuchten, wie oft war er befriedigend für Sie? Ich habe keinen GV versucht nie oder fast nie Selten (viel weniger als die Hälfte der Zeit) Manchmal (etwa die Hälfte der Zeit) Meistens (viel mehr als die Hälfte der Zeit) Fast immer oder immer
0 1 2 3 4 5

Mit der folgenden Tabelle können Sie Ihr Ergebnis aus dem Fragebogen vergleichen. Bei dem Test wird vorausgesetzt, dass der Mann sich in einer stabilen Beziehung mit Möglichkeit zum Sex befindet. Wenn diese Voraussetzung nicht erfüllt ist, dann wird das Ergebnis des Tests verfälscht und verliert an Aussagekraft. Wenn Sie bei dem Test eine leichte bis mittlerweile oder stärkere erektile Dysfunktion bei sich diagnostizieren können, sollten Sie sich auf jeden Fall bei einem Urologen vorstellig machen, damit dieser schnell mit Hilfe von Blut-, Urin- und Hormontests einige chronische Krankheiten ausschließen kann.

Punkte ED-Klassifizierung
22 – 25 keine erektile Dysfunktion
17 – 21 leichte erektile Dysfunktion
12 – 16 leichte bis mittlere erektile Dysfunktion
8 – 11 mittlere erektile Dysfunktion
1 – 7 schwere erektile Dysfunktion

Ursachen der erektilen Dysfunktion

Das Thema rund um die erektile Dysfunktion wurde lange Zeit von Seiten der Medizin nicht sehr intensiv betrachtet, was unter anderem daran lag, dass sehr wenige Männer sich mit Ihrem Problem an Ihren Arzt wenden. Dadurch war das Ausmaß innerhalb der Gesellschaft lange unbekannt, weshalb keine neuen Studien durchgeführt wurden. In den letzten Jahren wurde allerdings erkannt, wie weit dieses Problem verbreitet ist und aufgrund dessen wurden wieder neue Studien durchgeführt, die zahlreiche neue Informationen und Zusammenhänge ans Licht gebracht haben.

Grundsätzlich unterscheidet man bei der erektilen Dysfunktion zwischen psychischen und organischen (also physischen bzw. anatomischen) Ursachen. Weil eine erektile Dysfunktion bei den betroffenen Männern allerdings immer auch psychische Probleme auslöst, werden inzwischen immer alle Faktoren bei der Behandlung der erektilen Dysfunktion berücksichtigt. Das liegt vor allem auch daran, dass selbst wenn das Problem ursprünglich organischer Natur war – es in Folge dessen zu psychischen Problemen kommen kann, die das Problem dann selbst verstärken. Häufig besteht das Problem nämlich auch dann noch weiter, wenn das organische Problem gefunden und behoben wurde.

Organische Ursachen

Es gibt eine Reihe von organischen Problemen, die eine erektile Dysfunktion auslösen können und statistisch die Wahrscheinlichkeit an einer Erektionsstörung zu erleiden erhöhen. Zu diesen anatomischen Problemen gehören vor allem einige chronische Krankheiten, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Penis stehen. Zu diesen chronischen Ursachen gehören:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Tabak-, Alkohol- und Drogenkonsum
  • Einnahme von Betablockern
  • Atherosklerose
  • Einnahme von Antiandrogenen (Bsp. Androcur, Dutasterid oder Finasterid)
  • Einnahme von Medikamenten, die Neuro-Blocker enthalten (Bsp. Antidepressiva oder Antiepileptika)
  • Blockaden im Lendenwirbelbereich

Neben diesen chronischen Krankheiten, die indirekt oder direkt eine erektile Dysfunktion auslösen oder unterstützen können, gibt es zahlreiche organische Probleme, die direkt am Penis auftreten können. Zu diesen Problemen gehören beispielsweise die folgenden:

  • Rückenmarkstörungen, mit Auswirkung auf die Nerven des Genitalbereichs
  • Schädigung der Nerven, welche die glatte Muskulatur im Genitalbereich versorgen (Nervi erigentes)
  • Mögliche Gründe hierfür sind größere Operationen an der Prostata oder am Mastdarm, aber auch Bestrahlung und verschiedene Stoffwechselkrankheiten können die Nerven beschädigen
  • Lecks in den Schwellkörpern des Penis. Relativ häufig, aber schwer zu diagnostizieren.
  • Umbau des Bindegewebes des Penis durch eine vorhergehende Dauererektion (Priapismus)

Psychische Ursachen

Neben den organischen Ursachen gibt es zahlreiche psychische Ursachen, die das Problem einer erektilen Dysfunktion hervorrufen oder verstärken können. Man unterscheidet hier zwischen primären psychischen Problemen, die tatsächlich zu den ersten Problemen führen und sekundären psychischen Problemen, die durch eine bestehende erektile Dysfunktion oder eine vorübergehende erektile Dysfunktion ausgelöst werden.

Bei sekundären psychischen Ursachen handelt es sich häufig um Minderwertigkeitskomplexe, die dadurch verursacht werden, dass der Mann sich nicht mehr vollständig männlich fühlt. Die betroffenen Männer schämen sich häufig Ihrer mangelhaften Männlichkeit und bauen zunehmenden Druck und Ängste in sich auf. Besonders häufige Ängste sind hier:

  • Angst zu früh zu kommen
  • Angst die Frau nicht zufriedenstellend befriedigen zu können
  • Angst wieder keinen hoch zu bekommen
  • Angst vor Trennung bzw. Beziehungskonflikten

Zu den primären psychischen Ursachen gibt es ebenfalls zahlreiche Ansätze:

  • Fehlende Vaterfigur in der Kindheit
  • Mangelhaftes bzw. fehlendes Selbstvertrauen
  • Stress
  • Depression

Erektile Dysfunktion – Behandlungsmöglichkeiten

Selbstverständlich gibt es zahlreiche Behandlungsmöglichkeiten um eine erektile Dysfunktion zu beheben. Da eine erektile Dysfunktion, wie oben beschrieben, auch als Symptom von anderen chronischen und schwerwiegenden Krankheiten auftreten kann, ist es sehr wichtig diese Krankheiten am Anfang medizinisch ausschließen zu können. Dies ist auch wichtig, um ggf. direkt mit der Behandlung der eigentlichen Krankheit beginnen zu können. Eine unentdeckte Zuckerkrankheit ist beispielsweise schnellstmöglich zu behandelt und kann bei Nicht-Beachtung zu langfristigen und schwerwiegenden Problemen führen.

Die passende Behandlungsmöglichkeit ergibt sich selbstverständlich aus der entsprechenden Ursache für das Problem. Zu den Möglichkeiten gehören:

  • Hormoneinnahme
    • z.B. bei zu niedrigem Testosteron-Haushalt
  • Physiotherapie
    • z.B. bei blockierten Nerven im Lendenbereich
  • Einnahme von blutdruckmindernden Medikamenten bei erhöhtem Bluthochdruck
  • Reduktion von sonstigen beeinträchtigenden Medikamenten (siehe oben)
    • Halten Sie hier aber immer vorher Absprache mit Ihrem behandelnden Arzt
  • Gesprächstherapie bei psychischen Ursachen
  • Yoga
    • Eine Studie hat gezeigt, dass Yoga sowohl einige körperliche Ursachen als auch psychische Ursachen mildern kann
  • Erfolgreiche Behandlung einer der zugrunde liegenden chronischen Krankheiten
  • Allgemeines Sporttraining
    • Verbessert die Durchblutung, kann Stressblockaden lösen uvm.
  • Beckenboden-Training
    • Das Trainieren des Beckenbodenmuskeln verringert nachweislich Erektionsstörungen und vorzeitige Samenergüsse

Vorbeugende Maßnahmen – Prävention

Da die Ergebnisse der aktuellen Studien ganz eindeutig zeigen, dass Erektionsstörungen im Alter signifikant und stark zunehmen, sollte man sich als junger Mann mit dem Thema auseinandersetzen, um auch im Alter noch sorgenfrei die eigene Sexualität ausleben zu können. Die folgenden Tipps und Ratschläge sind relativ allgemeiner Natur und können allesamt dazu beitragen, Ihre erektile Dysfunktion zu beheben oder langfristig aufzuschieben, sodass gar nicht erst ein Problem auftritt.

  • Regelmäßig Sport treiben, das verbessert die Durchblutung und beugt zahlreiche weitere Krankheiten vor
  • Vermeiden Sie Übergewicht, da ein erhöhter Blutfettwert sich negativ auf die Erektion auswirken kann
  • Ernähren Sie sich ausgewogen und zuckerarm, da so alle Organe und Zellen bestens versorgt werden und im Gleichgewicht bleiben
  • Reduzieren Sie Stressmomente in Ihrem Leben und finden Sie eine gute Work-Life-Balance
  • Beschäftigen Sie sich mit Ihren Ängsten und Problemen, scheuen Sie auch nicht davor zurück, sich hier professionelle Hilfe zu suchen
  • Stoppen Sie es zu rauchen oder reduzieren Sie es zumindest auf ein Minimum
  • Trinken Sie nur selten und in Maßen Alkohol

Quellen

  • Wikipedia (2020): Erektile Dysfunktion, [online] https://de.wikipedia.org/wiki/Erektile_Dysfunktion [03.04.2020]
  • Everything You Need to Know About Erectile Dysfunction (ED), [online] https://www.healthline.com/health/erectile-dysfunction [03.04.2020]
  • Impotenz: Millionen deutsche Männer sind betroffen, [online] https://www.lifeline.de/sexualitaet/erektionsstoerungen/impotenz-zahl-verbreitung-id28450.html [03.04.2020]
  • CAPPELLERI J.C. (2005), “The Sexual Health Inventory for Men (SHIM): a 5-year review of research and clinical experience”, https://doi.org/10.1038/sj.ijir.3901327
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